Das Gesundheitssystem in Portugal

Ein Überblick über das portugiesische Gesundheitssystem (SNS), private Zusatzversicherungen und wie du als Expat Zugang zur Versorgung bekommst.

Medizinischer Notfall

112 – europäische Notrufnummer
‍SNS 24: 808 24 24 24 (24 Stunden)

Unter diesen Nummern kannst Du neben Portugiesisch auch Englisch sprechen.

Gesundheitssystem in Portugal

Wenn Du nach Portugal ziehst, solltest Du Dich frühzeitig mit dem portugiesischen Gesundheitssystem beschäftigen. Grundsätzlich gibt es in Portugal – ähnlich wie in Deutschland, Österreich und der Schweiz – einen öffentlichen und einen privaten Gesundheitssektor.

Das öffentliche System heißt Serviço Nacional de Saúde (SNS) und steht im Mittelpunkt der staatlichen Gesundheitsversorgung.

Für Menschen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz ist vor allem eine Frage wichtig: Welches Land ist für Deine Krankenversicherung zuständig?

Das hängt davon ab, ob Du beispielsweise in Portugal arbeitest, im Ruhestand bist, weiterhin in Deutschland, Österreich oder der Schweiz beschäftigt bist oder aus anderen Gründen dem entsprechenden Sozialversicherungssystem unterliegst. Die Europäische Union koordiniert die Systeme, ersetzt aber nicht die nationalen Krankenversicherungssysteme.

1. Das öffentliche Gesundheitssystem: SNS

Der Serviço Nacional de Saúde (SNS) ist das portugiesische staatliche Gesundheitssystem. Die medizinische Versorgung erfolgt insbesondere über Gesundheitszentren und öffentliche Krankenhäuser.

Die erste Anlaufstelle für die normale medizinische Versorgung ist in vielen Fällen das Centro de Saúde, also das örtliche Gesundheitszentrum. Dort werden unter anderem hausärztliche Versorgung, Pflegeleistungen und weitere wohnortnahe Gesundheitsleistungen angeboten. Die Sprache ist in der Regel Portugiesisch, manchmal auch Englisch.

Idealerweise bist Du einem Médico de Família, also einer Hausärztin oder einem Hausarzt, zugeordnet. Allerdings hat nicht jede Person sofort eine feste hausärztliche Betreuung. Die tatsächliche Versorgungssituation kann je nach Region unterschiedlich sein.

Für akute gesundheitliche Probleme gibt es neben den Gesundheitszentren verschiedene Formen der Akut- und Notfallversorgung. Diese Leistungen kannst Du entweder mit Deiner europäischen Gesundheitskarte (kurzfristig) oder mit einer Número de Utente nutzen.

2. Die SNS-Nummer – „Número de Utente“

Wer das portugiesische öffentliche Gesundheitssystem langfristig nutzt, benötigt eine Número de Utente, also eine persönliche Nutzernummer des SNS.

Auch ausländische Staatsangehörige können diese Nummer erhalten.

Wichtig ist allerdings: Eine SNS-Nummer allein bedeutet noch nicht automatisch, dass Portugal sämtliche Kosten der Behandlung übernimmt.

Die Nummer dient zunächst der Identifikation innerhalb des portugiesischen Gesundheitssystems. Entscheidend für die Kostenübernahme ist zusätzlich der jeweilige Versicherungs- und Aufenthaltsstatus.

3. Anmeldung beim Centro de Saúde für eine Número Utente

Wenn Du dauerhaft in Portugal lebst, ist eine Möglichkeit, Dich persönlich beim Centro de Saúde an Deinem Wohnort zu registrieren.

Dafür benötigst Du folgende Unterlagen:

4. Wie kommst Du zur medizinischen Versorgung?

Das portugiesische System ist stärker über die Primärversorgung organisiert, als es viele Menschen aus Deutschland gewohnt sind.

Für planbare medizinische Versorgung ist grundsätzlich das Centro de Saúde beziehungsweise die zugeordnete hausärztliche Betreuung eine wichtige erste Anlaufstelle.

Bei akuten Beschwerden kann es auch eine sogenannte consulta aberta geben. Dabei handelt es sich um eine offene beziehungsweise kurzfristige Sprechstunde für akute Erkrankungen, sofern am jeweiligen Tag Kapazitäten vorhanden sind.

Für spezielle Untersuchungen oder eine fachärztliche Behandlung erfolgt die Versorgung häufig über eine Überweisung beziehungsweise innerhalb des SNS über die entsprechenden Versorgungsstrukturen.

5. Krankenhäuser und Notfälle

Portugal verfügt über öffentliche Krankenhäuser des SNS sowie über zahlreiche private Krankenhäuser und Kliniken.

Triage in Portugal – kurz erklärt

Wenn Du in Portugal in die Notaufnahme („Urgência“) gehst (öffentlich und privat), wirst Du zuerst medizinisch eingeschätzt. Dabei zählt nicht, wann Du angekommen bist, sondern wie dringend Du Hilfe brauchst.

🔴 Rot – sofort
🟠 Orange – sehr dringend
🟡 Gelb – dringend
🟢 Grün – weniger dringend
🔵 Blau – nicht dringend

Deshalb kann es sein, dass jemand nach Dir kommt und trotzdem vor Dir behandelt wird.

Wichtig: Wenn es Dir während des Wartens schlechter geht, sag sofort dem Personal Bescheid. Bei einem medizinischen Notfall wählst Du in Portugal die 112.

Für gesundheitliche Beratung und Orientierung innerhalb des portugiesischen Gesundheitssystems gibt es außerdem:

SNS 24: 808 24 24 24

Über SNS 24 erhältst Du unter anderem Informationen darüber, wohin Du Dich mit einem gesundheitlichen Problem wenden solltest.

Gerade für Menschen, die neu in Portugal sind, ist das wichtig: Bei einem gesundheitlichen Problem sollte nicht automatisch die Notaufnahme eines Krankenhauses die erste Anlaufstelle sein. Je nach Situation kann das Centro de Saúde oder SNS 24 geeigneter sein.

6. Was kostet die Behandlung im öffentlichen System?

Das portugiesische System unterscheidet sich hier von der klassischen deutschen Vorstellung einer „Kassenleistung“.

Viele Leistungen der öffentlichen Gesundheitsversorgung werden ohne direkte Zahlung erbracht. Für bestimmte Leistungen können jedoch taxas moderadoras – Eigenbeteiligungen beziehungsweise Gebühren – gelten.

Bei der Primärversorgung wurden die Gebühren weitgehend abgeschafft. Nach den aktuellen Regierungsinformationen sind Konsultationen und diagnostische Untersuchungen im Rahmen der öffentlichen Primärversorgung von diesen Gebühren ausgenommen.

Bei bestimmten Notfallbehandlungen können dagegen Gebühren relevant sein, insbesondere wenn Du ohne vorherige Überweisung durch eine Primärversorgungseinrichtung oder SNS 24 direkt in die Notaufnahme gehst.

Es gibt außerdem zahlreiche Befreiungen, beispielsweise für bestimmte Personengruppen und bei wirtschaftlicher Bedürftigkeit.

7. Der private Gesundheitssektor

Neben dem SNS gibt es in Portugal einen großen privaten Gesundheitssektor.

Private Arztpraxen und Kliniken werden insbesondere von Menschen genutzt, die

Bei einer privaten Behandlung solltest Du vorher klären, ob Deine Versicherung die Kosten übernimmt und ob die jeweilige Praxis oder Klinik Vertragspartner Deiner Versicherung ist.

Wichtig: Die europäische Krankenversicherungskarte (EHIC, EKVK) ist grundsätzlich für notwendige medizinische Versorgung im öffentlichen System gedacht. Private Behandlungen sind darüber nicht automatisch abgedeckt.

8. Was gilt für Menschen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz?

Hier liegt einer der wichtigsten Punkte für Menschen, die nach Portugal ziehen.

Die Frage, ob die deutsche, österreichische, schweizerische oder portugiesische Krankenversicherung zuständig ist, lässt sich nicht allein anhand des Wohnsitzes beantworten. Entscheidend ist insbesondere Deine persönliche Situation.

Wenn Du in Portugal arbeitest

Wer in Portugal arbeitet, unterliegt grundsätzlich den europäischen Regeln zur Bestimmung des zuständigen Sozialversicherungssystems. Bei einer normalen Beschäftigung in Portugal ist daher in der Regel das portugiesische System relevant.

Bei Sonderfällen – beispielsweise Entsendungen oder Tätigkeiten in mehreren Ländern – können andere Regeln gelten.

Wenn Du im Ruhestand bist und im Heimatland gesetzlich krankenversichert bist

Wenn Du weiterhin in Deutschland, Österreich oder der Schweiz gesetzlich krankenversichert bist und Deinen Wohnsitz nach Portugal verlegst, können besondere EU-Regelungen gelten.

Hier ist insbesondere das Portable Document S1 wichtig. Es kann ermöglichen, dass Du weiterhin über einen deutschen, österreichischen oder schweizerischen Träger abgesichert bist und Deine Gesundheitsversorgung trotzdem im Wohnstaat Portugal in Anspruch nehmen kannst.

Die genaue Situation hängt unter anderem davon ab, welche Renten Du beziehst und welchem Sozialversicherungssystem Du unterliegst.

Die Deutsche Verbindungsstelle Krankenversicherung – Ausland (www.dvka.de) stellt hierzu spezielle Informationen für Personen im Ruhestand mit Wohnsitz im Ausland bereit. In Österreich ist hierfür die Österreichische Gesundheitskasse zuständig (www.oegk.at). In der Schweiz können diese Fragen bei der Gemeinsamen Einrichtung KVG geklärt werden (www.kvg.org).

Für Menschen aus Deutschland, Österreich oder der Schweiz, die weiterhin in ihrem Heimatland versichert sind, gilt: Auch bei einem Wohnsitz in Portugal kann ein S1-Dokument relevant sein. Damit kann der Anspruch auf Sachleistungen im Wohnstaat registriert werden, sofern die entsprechenden sozialversicherungsrechtlichen Voraussetzungen erfüllt sind. Ebenso spielt der tatsächliche Wohnsitz eine Rolle.

Deshalb gilt: Vor dem Umzug solltest Du immer mit Deiner Krankenkasse klären, welches Land für Deine Krankenversicherung zuständig ist und welche Unterlagen Du benötigst.

9. Die Europäische Krankenversicherungskarte (EHIC / EKVK)

Die EHIC/EKVK ist vor allem für vorübergehende Aufenthalte gedacht.

Mit ihr können gesetzlich Versicherte aus Deutschland, Österreich oder der Schweiz während eines vorübergehenden Aufenthalts in Portugal medizinisch notwendige Leistungen des öffentlichen Systems zu den Bedingungen erhalten, die auch für entsprechend versicherte Personen in Portugal gelten.

Sie ist jedoch nicht als Ersatz für eine Krankenversicherung bei einem dauerhaften Umzug gedacht.

Ebenso solltest Du nicht davon ausgehen, dass eine EHIC/EKVK private Arztbehandlungen oder eine geplante Behandlung in Portugal abdeckt.

10. Medikamente und Rezepte

Auch Medikamente werden in Portugal anders organisiert, als Du es aus Deutschland, Österreich oder der Schweiz vielleicht gewohnt bist.

Rezepte werden zunehmend elektronisch ausgestellt und können in portugiesischen Apotheken eingelöst werden. Je nach Medikament und persönlicher Anspruchssituation kann ein Eigenanteil bestehen.

Wenn Du regelmäßig Medikamente einnimmst, solltest Du deshalb nach dem Umzug frühzeitig klären:

Es ist sinnvoll, zum Umzug eine aktuelle Medikamentenliste und – bei wichtigen chronischen Erkrankungen – relevante Arztberichte mitzunehmen.

11. Was solltest Du nach dem Umzug erledigen?

Wenn Du dauerhaft nach Portugal ziehst, empfiehlt sich folgende Reihenfolge:

1. Krankenversicherungsstatus klären

Noch vor oder spätestens unmittelbar nach dem Umzug solltest Du klären, welches Land für Deine Krankenversicherung zuständig ist.

2. Bei Deiner bisherigen Krankenkasse nachfragen

Falls weiterhin eine deutsche, österreichische oder schweizerische Versicherung zuständig ist, solltest Du klären, ob Du ein S1-Formular benötigst.

3. SNS-Nummer beantragen bzw. registrieren

Die Número de Utente ist Deine persönliche Nummer im portugiesischen Gesundheitssystem.

4. Beim Centro de Saúde anmelden

Nach Möglichkeit solltest Du Dich beim Gesundheitszentrum an Deinem Wohnort registrieren lassen.

5. Private Absicherung prüfen

Wenn Du zusätzlich den privaten Gesundheitssektor nutzen möchtest, kannst Du eine private Krankenversicherung abschließen oder einzelne private Behandlungen selbst bezahlen.

6. Für Notfälle vorbereiten

Die wichtigsten Nummern solltest Du kennen:

112 – medizinischer Notfall
808 24 24 24 – SNS 24 Stunden

Fazit

Das portugiesische Gesundheitssystem besteht aus einem öffentlichen System (SNS) und einem großen privaten Gesundheitssektor.

Für Menschen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz ist weniger die grundsätzliche Struktur kompliziert als vielmehr die Frage, welches Versicherungssystem im individuellen Fall zuständig ist. Eine Person im Ruhestand mit S1 hat beispielsweise eine andere Ausgangssituation als jemand aus Deutschland, der in Portugal eine Beschäftigung aufnimmt.

Wenn Du dauerhaft nach Portugal ziehst, solltest Du deshalb nicht nur eine SNS-Nummer beantragen, sondern gleichzeitig Deinen Versicherungsstatus und die Kostenübernahme klären.